Marktplatz

Auf dem Marktplatz können wir vielen Leuten begegnen, manchmal auch einem Tanzmeister. Junge Adlige (mit wohlhabenden Vätern) bekamen zum Teil schon mit vier Jahren Tanzunterricht. Tanzen war nicht nur ein Freizeitvergnügen wie heute, sondern gehörte zur Bildung dazu, wie Lesen, Schreiben, Fremdsprachen, körperliche Ertüchtigung wie Reiten und Fechten (aber natürlich nur für die Söhne), Handarbeiten für die Mädchen und vieles mehr. Beim Anblick des Tanzmeisters fiel mir eine Passage in einem Buche ein, das ich vor kurzem gelesen hatte. Darin stand:
"Die Tänzer mussten mit Kraft und großer Behändigkeit ausgestattet sein, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden, und die geschickteren ersetzten die einfachen Pas (Schritte) durch kompliziertere aber doch kunstvolle Capriolen (Sprünge), die immer Ihre Berechtigung hatten, wenn sie nur richtig in die Kadenz einfielen. Überhaupt scheinen die gemeinschaftlichenBewegungen und Kraftentwicklungen, sowie die Anmut und der feine Anstand, den die Tänze des 16. Jahrhunderts von den Ausführenden erforderten, ebenso die Zuschauer wie die Tänzer amüsiert zu haben."

Nicht nur Tanzmeister auch vielerlei andere Künstler begegnen uns auf dem Marktplatz.
Erst gestern habe ich wieder Pieter Bruegel den älteren gesehen. Er ist ja neuerdings sehr in Mode. Pieter wer? Na den Maler. Er mischt sich oft verkleidet unter das Volk um dann Bilder von Gebräuchen und dem Alltagsleben zu malen. Ein Bild das ich erst neulich von ihm gesehen habe, zeigt viele verschiedene Kinderspiele. Ach, da werden Erinnerungen wach. Ein Spiel, das ich selbst als Kind gerne spielte, war Blinde Kuh. Ein Gelehrter erzählte mir jedoch, daß dieses so harmlose Spiel eigentlich auf heidnischen Gebräuchen beruht. Ich war doch sehr erstaunt dies zu höhren. Zu heidnischen Zeiten stellte der Fänger das Böse dar. Damit er niemanden mit dem bösen Blick treffen konnte, trug er eine Kapuze über den Augen. Wurden Hexen und Zauberer verbrannt, verband man ihnen die Augen um den bösen Blick zu verhindern. Wenn der blinde Kuh-Fänger nah ist, so ruft man heute "heiß! heiß!" ohne zu wissen, daß damit der Scheiterhaufen gemeint ist. Eine andere Erklärung ist, daß das Tuch vor bösen Geistern schützt. So ist es in manchen Gegenden Brauch einen Täufling verschleiert zur Kirche zu tragen um ihn vor bösen Mächten zu schützen. Auch die Klappern und Rasseln, mit denen sich die Säuglinge gerne beschäftigen sollen eigentlich böse Geister vertreiben. So hat doch wohl manches Kinderspiel einen gar nicht so fröhlichen Hintergrund.

10.04.2005,,RL

Historisches und Histörchen

Wieso belächelt man jemanden der gestelzt redet ?

Stelzen sind nicht nur ein Kinderspielzeug das es schon seit sehr langer Zeit gibt, sondern auch für Erwachsene recht nützlich. Sie sind auf der ganzen Welt bekannt. In Sumpfgegenden benutzte man niedrige Stelzen um trockenen Fußes zu gehen. In der Ebene konnte man oft Hirten auf hohen Stelzen sehen, die so einen besseren Überblick behielten und Wölfe früher sehen konnten. Nur hat ein Stelzenläufer keinen flüssigen, eleganten sondern einen mechanisch wirkenden, unnatürlichen Gang. Ebenso ist ein Stelzenläufer nicht bodenständig wie andere Menschen auch sondern vom Boden entfernt, abgehoben, "gestelzt".

 

10.04.2005,,RL
 

Mode und Sprichwörter

Die Mode der verschiedenen Epochen gab oft genug der Obrigkeit Anlass zu Verodnungen, um das einfachere Volk etwas im Zaume zu halten. Es entstanden aber auch sehr viele Sprichwörter, die noch heute bekannt sind, deren Ursprung aber verloren ging. Wir haben einige Sprichwörter, die aus der historischen Mode heraus entstanden sind zusammengetragen, und versucht den Ursprung zu finden.Vielleicht habt Ihr Lust uns bei dieser Detektivarbeit zu helfen. Schickt uns doch Eure Sprichwörter; vielleicht habt Ihr ja schon die Erklärungen gefunden, oder wir finden sie gemeinsam.

Was bedeutet eigentlich: "Mit jemandem anbändeln" ?

Bänder waren seit vielen Jahrhunderten gerne gesehener Zierrat. Nicht nur Frauen, auch Männer schmückten ihre Kleidung mit bunten Bändern. Ein buntes Band aus edler Seide war ein willkommenes Geschenk von einem Herrn, die Dame konnte ihre Zuneigung durch ein von ihr höchst persöhnlich besticktes Band zeigen. Ein Band konnte ein neckischer Wettgewinn sein, für eine Mutprobe konnte der Held auch mal ein Strumpfband der Dame fordern. (Man denke nur an den englischen Hosenbandorden und seine Entstehungsgeschichte). Bänder konnten ganz offen oder vor den Ehegatten versteckt getragen werden und von Männern und Frauen gleichermaßen verschenkt werden. Die Bauernburschen konnten beim Hausierer ebenso Bänder erstehen wie der reiche Galan in edlerer Machart. Das "Anbändeln" war bei allen deshalb recht beliebt.

10.04.2005,, RL

Ebenso wie das Anbändeln kommt auch das "Herumnesteln" aus Zeiten längst vergangener Mode

Wenn man an der Kleidung herumzupft, so sagt man auch man "nestelt" herum. Man fühlt sich vielleicht unsicher und überprüft den Sitz der Kleidung. In alten Zeiten war ein solches Verhalten ganz sinnvoll um Peinlichkeiten zu vermeiden. Die Kleidung war tatsächlich mit Nesteln ( kleinen Bändern) befestigt. Die Hose war an das Wams angenestelt, Ober- und Unterkleidung war miteinander vernestelt, die Ärmel waren angenestelt, damit man Alltags- und Festtagsärmel austauschen konnte. Beim Ankleiden mußten also unzählige Bänder sicher verknotet werden, damit man nicht plötzlich ohne Hose oder anderes dastand. Ein Herumnesteln hatte also Sinn. In modernen Zeiten sind uns eigentlich nur noch die Schuhnesteln geblieben.

10.04.2005,, RL